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Was tun bei Verbrennungen und Verbrühungen?

Wie verhalte ich mich als Opfer oder Angehöriger bei Verletzungen durch Hitze? Welche Sofortmaßnahmen wichtig sind und wann ärztliche Hilfe nötig ist

Kochen auf Gasherd

Entzündetes Öl am Herd kann schnell zu Verbrennungen führen

„Gerade bei Kleinkindern sind Verbrühungen typisch. Die Kinder lernen in dem Alter, sich aufzurichten. Dann greifen sie nach einem Gefäß auf dem Herd oder Tisch, und schon ist es passiert“, warnt Prof. Dr. med. Hans-Oliver Rennekampff, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin und Leitender Oberarzt in der Uniklinik Aachen. Bei Erwachsenen seien es hingegen öfter Verbrennungen durch Flammen, zum Beispiel beim Grillen oder bei Wohnungsbränden. Aber auch Arbeitsunfälle und Verkehrsunfälle kommen als Ursache von Verbrennungen in Frage. Frau Petra Krause-Wloch vom Bundesverband für Brandverletzte e.V. fügt hinzu: „Vier von fünf schweren Verbrennungsunfällen ereignen sich nicht in der Arbeit, sondern in der Freizeit.“


Schwere Verbrennungen

Erhebung der Bundesinitiative für Brandverletzte aus dem Jahr 2000

Erste Hilfe bei einer Verbrennung

Sowohl für Verbrennungen als auch für Verbrühungen gilt: Die Hitze kann die Haut massiv schädigen. „Retten Sie als Erstes den Betroffenen so schnell wie möglich aus dem Gefahrenbereich“, sagt Rennekampff. Als Nächstes brennende Kleidung löschen: mit Wasser, Decke oder durch Wälzen am Boden. Bei einer Verbrühung sollte man auch die durchnässte Kleidung sofort entfernen. Verkohlten Stoff bei Verbrennungen ebenfalls, solange die Kleidung nicht mit der Haut verschmort ist. In diesem Fall besser mit einer Schere drum herum schneiden, und die Entfernung des Restes den Ärzten überlassen.

Außerdem sollte man kleinflächige Verbrennungen so schnell wie möglich kühlen, wenn sie nicht größer als eine Handfläche sind. Das lindert die Schmerzen. Zum Kühlen genügt kaltes oder lauwarmes Wasser aus dem Wasserhahn. Weniger als 15 Grad sollte es nicht haben, und die Kühlzeit sollte auch eine Viertelstunde nicht überschreiten. Andernfalls besteht die Gefahr einer Unterkühlung, wie auch beim Kühlen großflächiger Verbrennungen. Rennekampff: „Eis auf der Haut vermeiden! Das könnte sogar das Gewebe noch weiter schädigen“.

Ausdehnung und Tiefe der Hautverletzung wichtig

Wie gefährlich die Verletzung ist, kommt auf die Ausdehnung an, und wie tief die Verbrennung reicht. Dabei gibt es vier Verbrennungsgrade:


Prof. Dr. med. Hans-Oliver Rennekampff

Prof. Hans-Oliver Rennekampff

  • Bei Grad eins tritt nur eine Rötung der Haut auf wie bei einem Sonnenbrand. „Eine Rötung ist insofern noch ein gutes Zeichen, weil sie anzeigt, dass die Haut unter der Verbrennung weiterhin durchblutet wird“, sagt Rennekampff.
  • Grad zwei geht mit Blasenbildung einher, die ziemlich schmerzhaft sein kann.
  • Bei Grad drei sind bereits sämtliche Schichten der Haut (Oberhaut und Lederhaut) einschießlich der Gefäße und Nerven zerstört, weshalb paradoxerweise diese starke Verbrennung kaum Schmerzen verursacht.
  • Grad vier beschreibt eine Verkohlung und Schädigung weiterer Strukturen unter der Haut wie das Unterhautfettgewebe.

Sind bei einem Erwachsenen mehr als 10 Prozent der Haut drittgradig verbrannt oder mehr als 15 Prozent der Haut zweitgradig geschädigt, sollte er möglichst bald ärztlich in einem Verbrennungszentrum behandelt werden. Bei Kindern gilt das sogar schon bei 10 Prozent beziehungsweise 5 Prozent der Hautoberfläche. Senioren über 60 Jahren mit zusätzlichen Erkrankungen sollten auch bei kleinen Verbrennungen in spezialisierten Kliniken ärztlich versorgt werden. Der Notruf für den Rettungsdienst lautet 112.

Verbrennungszentren für bestmögliche Versorgung

Falls außerdem durch das Einatmen von Rauchgasen eine Schädigung der Lunge droht, ist ebenfalls eine stationäre Behandlung nötig. „Für die optimale Versorgung solcher Inhalationstraumen und größerer Verbrennungen gibt es 19 über Deutschland verteilte Verbrennungszentren für Erwachsene und genauso viele für Kinder“, sagt Rennekampff. Krause-Wloch: „Gerade wenn Gesicht, HändeFüße, Po oder auch der Urogenitalbereich betroffen sind, ist eine Behandlung in diesen Zentren wichtig, um die Folgen zu minimieren.“

Dipl. Pflegewirtin FH Petra Krause-Wloch

Petra Krause-Wloch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

      

Denn die Narbenbildung nach einer Verbrennung kann einerseits ästhetische Probleme machen, und andererseits auch die Funktion des Körperbereichs einschränken, zum Beispiel die Beweglichkeit der Hände. Krause-Wloch ergänzt: „Und die Verbrennungszentren kümmern sich auch um eine Anschlussheilbehandlung für den Patienten. Im Internet finden Sie die Adressen von Verbrennungszentren, zum Beispiel auf unserer Webseite www.brandverletzte-leben.de"*

Salbe oder andere Hausmittel auftragen?

Wenn nur eine Rötung der Haut ohne Blasenbildung vorliegt, kann man anschließend eine Brandsalbe oder Wundheilsalbe anwenden. „Gibt es allerdings Blasen oder schlimmere Verbrennungen, decken Sie besser die betroffenen Stellen mit einem sterilen Tuch oder notfalls mit einem frischen Handtuch ab und überlassen sie die weitere Behandlung Ärzten“, sagt Rennekampff. Vor dem eigenständigen Öffnen von Brandblasen rät er ab, weil sich dadurch das Risiko für Infektionenerhöht.

Auch mit anderen Hausmitteln wie Butter, Quark, Joghurt oder Öl sollte man die Wunde nicht in Kontakt bringen, sondern besser auf das Eintreffen professioneller Hilfe warten. „Denn all diese Substanzen müssen die Ärzte dann erst wieder mühsam abtragen, um die Schwere der Schädigung beurteilen zu können.“

Vor ärztlicher Behandlung nichts trinken oder essen

Durch größere Verbrennungen kann der Körper zudem erheblich an Flüssigkeit verlieren. Rennekampff rät dennoch, besser nichts zu trinken, bis der Notarzt eingetroffen ist. „Denn der Patient sollte möglichst nüchtern sein, falls bei der anschließenden Behandlung eine Narkose nötig ist.“ Gegebenenfalls ersetzt dann der Arzt die verlorene Flüssigkeit mit Infusionen.

 

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Dr. med. Roland Mühlbauer / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 04.02.2015,  
Bildnachweis: W&B/Privat, Corbis/Nick Daly Photography/Cultura, www.brandverletzte-leben.de

/Stand: 07.10.2015 Karl-Wilhelm Steinmann